Automatisierung in der Fertigung von Rechenzentrumsinfrastruktur: Komponenten und Produktionsherausforderungen

Der rasante Ausbau digitaler Dienste, Cloud Computing und künstlicher Intelligenz erhöht den Bedarf an zuverlässiger Rechenzentrumsinfrastruktur. Hinter jedem Rechenzentrum steht ein komplexes Netzwerk aus Kühltechnik, Stromversorgung und Steuerungssystemen, das dauerhaft und effizient funktionieren muss.

Während in der öffentlichen Diskussion häufig Rechenleistung und Datenverarbeitung im Mittelpunkt stehen, ist die physische Infrastruktur ebenso entscheidend. Wärmetauscher, Pumpen, Ventile, Kühlaggregate, elektronische Baugruppen und Komponenten zur Energieverteilung müssen nach hohen Qualitäts- und Leistungsstandards gefertigt werden.

Mit steigender Nachfrage und der Weiterentwicklung der Produktdesigns müssen Hersteller ihre Produktionskapazitäten ausbauen, ohne Abstriche bei der Zuverlässigkeit zu machen. Automatisierung hilft dabei, manuelle oder teilautomatisierte Fertigungsprozesse in stabile, reproduzierbare und rückverfolgbare Produktionssysteme zu überführen.

Was umfasst die Fertigung von Rechenzentrumsinfrastruktur?

Die Fertigung von Rechenzentrumsinfrastruktur umfasst Komponenten und Systeme, die für den sicheren, zuverlässigen und energieeffizienten Betrieb von Rechenzentren benötigt werden.

Abhängig von der jeweiligen Architektur übernehmen diese Komponenten unterschiedliche Aufgaben:

  • Kühlung und Wärmemanagement
  • Flüssigkeitsverteilung
  • Luftstrommanagement
  • Stromversorgung und Energieverteilung
  • Überwachung und Steuerung
  • Notfall- und Sicherheitssysteme
  • Mechanische Infrastruktur

Die HAHN Automation Group adressiert diesen Markt innerhalb des strategischen Fokusbereichs Transformation Technologies. Unsere Erfahrung umfasst Automatisierungslösungen für Wärmetauscher, Pumpen, Ventile, Kühltechnologien und weitere Infrastrukturkomponenten.

Weitere Informationen finden Sie auf unserer Seite zu Automatisierungslösungen für Transformation Technologies.

Welche Komponenten werden für Rechenzentrumsinfrastruktur benötigt?

Rechenzentren benötigen eine Vielzahl mechanischer, elektrischer und mechatronischer Komponenten. Welche Systeme konkret eingesetzt werden, hängt unter anderem von der Größe des Rechenzentrums, der Kühlarchitektur, der Leistungsdichte und den Redundanzanforderungen ab.

Wärmetauscher

Wärmetauscher übertragen Wärmeenergie von einem Medium auf ein anderes und bilden einen wichtigen Bestandteil vieler Kühlsysteme. Ihre Leistung wird unter anderem durch die Materialqualität, Rohrgeometrie, Dichtheit der Verbindungen und Effizienz der Wärmeübertragung beeinflusst.

Typische Fertigungsprozesse sind:

  • Einsetzen der Rohre
  • Aufweiten oder Einwalzen der Rohre
  • Schweißen und Löten
  • Abdichten
  • Maßprüfung
  • Druck- und Dichtigkeitsprüfung

Wenn eine große Anzahl von Rohren und Verbindungen verarbeitet werden muss, kann die manuelle Fertigung langsam und schwankungsanfällig werden. Eine automatisierte Prozesssteuerung ermöglicht reproduzierbare Ergebnisse an jeder einzelnen Verbindung.


Case Study: Rohrwalzverfahren für Wäremtauscher

 

Pumpen und Ventile

Pumpen und Ventile steuern den Transport und die Verteilung von Kühlmedien. Ihre Zuverlässigkeit ist entscheidend, da Leckagen, Durchflussbeschränkungen oder ein Ausfall des Aktuators die Leistung des gesamten Kühlsystems beeinträchtigen können.

Typische Fertigungsschritte umfassen:

  • Montage von Gehäusen und Komponenten
  • Einsetzen von Dichtungen
  • Montage von Lagern und Wellen
  • Befettung und Schmierung
  • Kontrollierte Schraubprozesse
  • Integration von Aktuatoren
  • Dichtigkeits- und Durchflussprüfung
  • Elektrische Prüfung und Funktionsprüfung

Elektronische Ventilaktuatoren erhöhen die Komplexität zusätzlich. Mechanische Baugruppen müssen zuverlässig mit Motoren, Sensoren, Elektronik und Software zusammenarbeiten.

Komponenten für Kühlung und Flüssigkeitsverteilung

Moderne Kühlsysteme für Rechenzentren können Verteiler, Rohrverbindungen, Kühlplatten, Verteilungseinheiten und weitere fluidführende Komponenten enthalten. Diese Produkte erfordern eine präzise Montage und zuverlässige Abdichtung, um Leckagen zu vermeiden und eine stabile Kühlleistung sicherzustellen.

Abhängig vom Produkt lassen sich unter anderem folgende Prozesse automatisieren:

  • Montage von Anschlüssen und Verbindern
  • Einsetzen von Dichtungen und O-Ringen
  • Dosieren
  • Montage von Rohren und Schläuchen
  • Schweißen und Fügen
  • Druckprüfung
  • Dichtigkeitsprüfung

Elektrische und elektronische Komponenten

Zur Rechenzentrumsinfrastruktur gehören außerdem Komponenten für Energieverteilung, Überwachung und Steuerung. Das Spektrum reicht von Steckverbindern und Elektronikgehäusen bis zu Stromschienen, Sensoren und mechatronischen Steuerungsbaugruppen.

Ihre Fertigung kann folgende Prozesse erfordern:

  • Präzises Bauteilhandling
  • Montage von Kontakten und Steckverbindern
  • Umspritzen von Einlegeteilen
  • Integration von Stromschienen
  • Leiterplattenhandling
  • Elektrische Prüfung
  • Optische Inspektion
  • Kennzeichnung und Rückverfolgbarkeit

Die Kombination mechanischer und elektronischer Prozesse innerhalb eines Produktionssystems erfordert aufeinander abgestimmte Handling-, Montage- und Prüfkonzepte.


Case Study: Produktion Hochleistungssteckverbinder

 

Zentrale Herausforderungen in der Produktion

Obwohl die Rechenzentrumsinfrastruktur zahlreiche unterschiedliche Produkttypen umfasst, stehen deren Hersteller häufig vor ähnlichen Herausforderungen.

Steigende Nachfrage und wachsende Produktionsvolumen

Wachsende Investitionen in digitale Infrastruktur führen zu einem höheren Bedarf an Fertigungskapazitäten. Prozesse, die bislang manuell ausgeführt wurden, erreichen möglicherweise nicht mehr die erforderliche Ausbringung oder Prozessstabilität.

Zusätzliche manuelle Arbeitsplätze sind nicht immer eine nachhaltige Lösung. Sie erhöhen den Flächenbedarf, machen die Qualität stärker von einzelnen Mitarbeitenden abhängig und erschweren die Produktionsplanung.

Automatisierung ermöglicht eine höhere Ausbringung durch:

  • Parallele Bearbeitung
  • Kürzere Zykluszeiten
  • Automatisiertes Bauteilhandling
  • Reproduzierbare Prozessabläufe
  • Integrierte Qualitätsprüfung
  • Reduzierte manuelle Eingriffe

Der geeignete Automatisierungsgrad sollte sich am Produktionsvolumen, an der Produktkomplexität und an der erwarteten zukünftigen Nachfrage orientieren.

Hohe Variantenvielfalt

Komponenten für Rechenzentren werden häufig an unterschiedliche Kapazitäten, Anlagenlayouts oder kundenspezifische Anforderungen angepasst. Hersteller müssen daher verschiedene Größen, Anschlusstypen oder Leistungsklassen auf derselben Anlage fertigen können.

Eine ausschließlich für ein festgelegtes Produkt konzipierte Anlage kann bei der Einführung neuer Varianten schnell ineffizient werden. Flexible Automatisierungskonzepte begegnen dieser Herausforderung mit:

  • Rezeptgesteuerter Produktion
  • Automatischer Formatauswahl
  • Austauschbaren Werkzeugen
  • Flexiblen Zuführsystemen
  • Produktspezifischen Prozessparametern
  • Modularen Produktionsstationen

Ziel ist ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Flexibilität und Prozessstabilität. Nicht jeder Produktionsschritt muss vollständig rekonfigurierbar sein. Wahrscheinliche Produktänderungen sollten jedoch bereits bei der Entwicklung der Anlage berücksichtigt werden.

Zuverlässige Abdichtung und Vermeidung von Leckagen

Leckagen zählen zu den kritischsten Qualitätsrisiken bei Flüssigkühlungen und fluidführenden Komponenten. Eine fehlerhafte Verbindung kann nicht nur die Produktleistung reduzieren, sondern auch Risiken für die umgebenden elektrischen Systeme verursachen.

Eine zuverlässige Abdichtung hängt von verschiedenen Faktoren ab:

  • Bauteiltoleranzen
  • Zustand und Position der Dichtung
  • Oberflächenqualität
  • Fügekraft
  • Ausrichtung der Komponenten
  • Prozesstemperatur
  • Kontrolliertes Drehmoment
  • Verbindungsgeometrie

Automatisierte Anlagen können relevante Prozessparameter überwachen und prüfen, ob jeder Montageschritt innerhalb der definierten Grenzen ausgeführt wird. Eine anschließende Dichtigkeits- oder Druckprüfung bestätigt die Integrität des vollständigen Produkts.

Reproduzierbare Fügeprozesse

Wärmetauscher, Kühlaggregate, Ventilbaugruppen und elektrische Komponenten erfordern unterschiedliche Fügetechnologien. Dazu gehören beispielsweise Walzen, Pressen, Schrauben, Schweißen, Löten, Kleben und Dosieren.

Jedes Verfahren stellt eigene Anforderungen an die Prozessqualität. Automatisierte Produktionssysteme können unter anderem folgende Parameter steuern und dokumentieren:

  • Kraft und Weg
  • Drehmoment und Drehwinkel
  • Temperatur
  • Druck
  • Schweißenergie
  • Dosiermenge
  • Prozesszeit

Die Überwachung dieser Werte hilft dabei, Abweichungen frühzeitig zu erkennen und die Fertigungsprozesse transparenter zu gestalten.

Integrierte Prüfung und Qualitätssicherung

Eine rein optische Kontrolle reicht bei vielen Infrastrukturkomponenten nicht aus. Hersteller müssen zusätzlich prüfen, ob das vollständige Produkt seine technischen Anforderungen erfüllt.

Je nach Komponente können automatisierte Prüfprozesse Folgendes umfassen:

  • Dichtigkeitsprüfung
  • Druckprüfung
  • Durchflussmessung
  • Elektrische Prüfung
  • Widerstandsmessung
  • Sensorkalibrierung
  • Aktuatorprüfung
  • Kommunikationsprüfung
  • Funktionale End-of-Line-Prüfung

Die direkte Integration der Prüftechnik in die Produktion reduziert zusätzliche Handhabungsschritte. Gleichzeitig lassen sich die Messergebnisse eindeutig dem jeweiligen Produkt zuordnen.

Rückverfolgbarkeit entlang des Fertigungsprozesses

Mit zunehmender Produktkomplexität und steigenden Produktionsvolumen gewinnt die Rückverfolgbarkeit an Bedeutung. Ein digitaler Produktionsdatensatz kann folgende Informationen enthalten:

  • Komponenten- und Chargeninformationen
  • Prozessparameter
  • Inspektionsergebnisse
  • Ergebnisse von Druck- und Dichtigkeitsprüfungen
  • Elektrische Prüfergebnisse
  • Softwareversionen
  • Produktkennzeichnung
  • Produktionsdatum und Stationsdaten

Diese Informationen unterstützen die Qualitätsanalyse und helfen Herstellern, die Ursachen wiederkehrender Abweichungen zu identifizieren. Gleichzeitig bilden sie eine Grundlage für die kontinuierliche Verbesserung der Produktionsprozesse.

Von der manuellen Rohreinwalzung zur automatisierten Wärmetauscherfertigung

Die Produktion von Wärmetauschern zeigt, wie sich ein bislang manueller Fertigungsprozess durch Automatisierung optimieren lässt.

Bei einem Kundenprojekt war das traditionelle pneumatische Einwalzen der Rohre langsam, arbeitsintensiv und mit hohen Leckageraten verbunden. Gleichzeitig musste der Hersteller unterschiedliche Produktvarianten bearbeiten und seine Produktionsleistung erhöhen.

Die HAHN Automation Group entwickelte eine automatisierte Lösung für das Einwalzen der Rohre. Sie erhöhte die Prozesspräzision, reduzierte Fehler und ermöglichte die Fertigung eines breiteren Variantenspektrums. Das automatisierte System kann einen Behälter mit rund 3.000 Rohren in ungefähr der Hälfte der zuvor benötigten manuellen Bearbeitungszeit fertigstellen.

Weitere Informationen bietet die Case Study zur automatisierten Rohreinwalzung bei Wärmetauschern.

Dieses Beispiel verdeutlicht mehrere Prinzipien, die für die Fertigung von Rechenzentrumsinfrastruktur relevant sind:

  • Bedienerabhängige Prozesse durch kontrollierte Automation ersetzen
  • Kritische Prozessparameter überwachen
  • Produktionsanlagen für mehrere Produktvarianten auslegen
  • Qualitätssicherung direkt in die Fertigung integrieren
  • Kapazitäten ohne proportional steigenden Personalbedarf ausbauen

Automatisierte Fertigung komplexer Ventilaktuatoren

Ventilaktuatoren verdeutlichen eine weitere typische Produktionsherausforderung. Diese Produkte vereinen Gehäuse, mechanische Komponenten, Dichtungen, Motoren, Elektronik und Software in einer kompakten Baugruppe.

Ein skalierbares Automatisierungskonzept kann folgende Prozesse integrieren:

  • Spritzgießen
  • Bauteilzuführung
  • Vormontage der Gehäuse
  • Befettung
  • Kontrollierte Schraubprozesse
  • Kunststoff-Laserschweißen
  • Elektrische Prüfung
  • Funktionale End-of-Line-Prüfung

Die HAHN Automation Group hat diese Prozesse in einer standortübergreifenden Produktionslösung für elektronische Ventilaktuatoren umgesetzt.

Mehr über das Projekt erfahren Sie in der Case Study zur Hochgeschwindigkeitsmontage von Ventilaktuatoren.

Auch wenn sich Konstruktion und Einsatzbereich der Komponenten unterscheiden, lassen sich die grundlegenden Fertigungsprinzipien auf Ventile und Aktuatoren für HVAC-, Kühl- und Infrastrukturanwendungen übertragen.

Eine skalierbare Automatisierungsstrategie entwickeln

Bei der Planung automatisierter Produktionssysteme für Komponenten der Rechenzentrumsinfrastruktur sollten Hersteller nicht nur das aktuelle Produktionsvolumen betrachten. Auch zukünftige Varianten, Kapazitätsanforderungen und Qualitätsziele müssen berücksichtigt werden.

Wichtige Fragen sind:

  • Welche Prozesse hängen derzeit stark von manueller Erfahrung ab?
  • An welchen Stellen treten besonders häufig Fehler oder Leckagen auf?
  • Welche Parameter bestimmen die Produktqualität?
  • Welche Inspektions- und Prüfschritte sind erforderlich?
  • Wie viele Produktvarianten muss die Anlage verarbeiten?
  • Lässt sich die Kapazität künftig modular erweitern?
  • Welche Produktionsdaten müssen dokumentiert werden?
  • Wie wird die Anlage in die bestehende Produktions- und IT-Infrastruktur integriert?

Wer diese Fragen frühzeitig beantwortet, kann den passenden Automatisierungsgrad besser definieren und das Risiko kostspieliger späterer Änderungen reduzieren.

Fazit

Die Fertigung von Rechenzentrumsinfrastruktur umfasst ein breites Spektrum mechanischer, elektrischer und mechatronischer Produkte. Wärmetauscher, Pumpen, Ventile, Kühlkomponenten und Systeme zur Energieverteilung müssen unter anspruchsvollen Betriebsbedingungen zuverlässig funktionieren.

Hersteller benötigen daher Produktionsprozesse, die verschiedene Fähigkeiten miteinander verbinden:

  • Präzises Bauteilhandling
  • Kontrollierte Montage- und Fügeprozesse
  • Zuverlässige Abdichtung
  • Integrierte Inspektion
  • Funktionale Prüfung
  • Digitale Rückverfolgbarkeit
  • Flexibles Variantenmanagement
  • Skalierbare Produktionskapazitäten

Automatisierung überführt manuelle und bedienerabhängige Abläufe in reproduzierbare Fertigungsprozesse. Durch die Verknüpfung von Prozessüberwachung, Qualitätssicherung und Produktionsdaten können Hersteller die Produktqualität verbessern und ihre Fertigung auf eine steigende Nachfrage vorbereiten.

Produktion für Rechenzentrumsinfrastruktur skalieren

Die HAHN Automation Group unterstützt Hersteller von HVAC- und Rechenzentrumsinfrastruktur mit maßgeschneiderten Lösungen für Montage, Handling, Fügen, Prüfen und Rückverfolgbarkeit.

Ob Sie einen bestehenden Prozess automatisieren, ein neues Produkt industrialisieren oder zusätzliche Produktionskapazitäten schaffen möchten: Unsere Experten entwickeln gemeinsam mit Ihnen eine Fertigungslösung, die auf Ihre technischen und betrieblichen Anforderungen zugeschnitten ist.


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